Was ist der Weißabgleich und wie verbessere ich damit meine Fotos in Lightroom?

Weißabgleich in Lightroom

Der Weißabgleich in Lightroom ist eine der wirkungsvollsten und einfachsten Methoden, um die Farben in deinen Fotos natürlich aussehen zu lassen. Er beweist sich außerdem als Retter in der Not, wenn es darum geht, das Ergebnis deiner Presets zu verbessern. Was es mit dem Weißabgleich genau auf sich hat und wie du ihn in Lightroom zu deinem Vorteil nutzt, erkläre ich dir in diesem Artikel.


Was ist ein Weißabgleich?

Der Weißabgleich ist eine Einstellung in der Kamera oder in einem Bildbearbeitungsprogramm wie Lightroom, mit dem du die genauen Farben in deinem Bild erhältst, wie du sie selbst mit deinen Augen siehst. Durch einen Weißabgleich entfernst du Farbstiche, sodass weiße Dinge auch auf dem Foto wie in echt weiß aussehen. Es geht bei einem Weißabgleich jedoch nicht nur um das Weiß, sondern darum alle Farben genau zu steuern und sie neutral und realistisch darzustellen.

Das, was der Weißabgleich kompensiert, ist die Farbe des Lichtes, mit dem du fotografiert hast. Bestimmt ist dir schon mal aufgefallen, dass die Farben in deinen Bildern sehr unterschiedlich ausfallen, wenn du einen automatischen Weißabgleich in deiner Kamera eingestellt hast. Das liegt daran, dass Licht, bedingt durch Zeit, Raum und die Art der Lichtquelle, unterschiedliche Farben hat und die Kamera damit überfordert ist. Im Gegensatz zu unserem menschlichen Auge schafft sie es nicht diese Unterschiede automatisch zu neutralisieren, um die Farben natürlich wiederzugeben.

Der Weißabgleich in der Kamera oder in der Nachbearbeitung mit Lightroom löst genau dieses Problem.

Im Grunde geht es beim Weißabgleich um den Ausgleich zweier Komponenten:

  1. Die Farbtemperatur (orange bis blau / warm bis kalt)
  2. Tönung (grün bis magenta)

Farbtemperatur (Color Temperature)

Jedes Licht hat eine unterschiedliche Farbtemperatur. Sie gibt die relative Wärme oder Kälte eines Bildes an.

Gemessen wird die Farbtemperatur in Kelvin. Je niedriger der Kelvinwert, desto wärmer die Farbtemperatur und je höher der Kelvinwert, desto kälter die Farbtemperatur.

Das Spektrum reicht von rot über orange bis hin zu blau. Je nachdem mit welchem Licht du fotografiert hast, sind die Farben in deinem Bild entweder wärmer oder kälter.

Dieser starke Gelb/Orangestich enstsand durch das warme Licht einer Glühlampe – passiert mir immer, wenn ich eine Tischszene in Cafés fotografiere.

Tönung (Tint)

Licht lässt sich jedoch nicht nur als warm oder kalt beschreiben. Es kann auch eine Tönung haben, die das gesamte Bild abdeckt.

Wenn du zum Beispiel in einem Raum fotografiert hast, indem ein fluoreszierendes oder anderes künstliches Licht angeschaltet war, wird dein Bild höchstwahrscheinlich einen Grün- oder Magenta-Farbstich bekommen.

Natürliches Licht hat ansich kaum eine Tönung. Es kann jedoch passieren, dass sich dein Bild durch Faktoren in deiner Umgebung grün oder magentafarben tönt. Das ist oft nur ganz subtil zu erkennen (siehe Foto unten). Das Licht wird dann von farbigen Objekten, Hintergründen oder Landschaften reflektiert. Diese Farbstiche lassen sich oft, aber nicht immer durch die Anpassung der Tönung korrigieren, ohne dass das gesamte Bild einen Farbstich in der entgegengesetzten Farbe (grün oder magentafarben) bekommt.

Durch das harte Licht und die grünen Eukalyptusblätter hat vor allem der Tisch einen Grünstich bekommen.

Wann ist ein Weißabgleich noch sinnvoll?

Der Weißabgleich ist nicht einfach nur dazu da, die Farben in deinem Bild realistisch darzustellen und Farbstiche zu entfernen. Er bildet die Grundlage für all deine Farbkorrekturen und dein persönliches Color Grading, das du in deinen Fotos machst.

Hier kommen 4 Beispiele, wofür du den Weißabgleich genau anwenden kannst:

Stimmungen und Gefühle verstärken

Du kannst den Weißabgleich auch absichtlich etwas wärmer oder kälter machen, sodass die Farben in deinen Fotos immer noch natürlich wirken. Damit betonst du eine bestimmtes Gefühl und erzeugst eine Stimmung.

Letztendlich kommt es darauf an, welche Geschichte du mit einem Bild erzählen möchtest. Ist das Bild zum Beispiel an einem warmen sommerlichen Tag entstanden oder an einem kalten Wintertag. Der Weißabgleich hilft dir dabei, die Bildwirkung in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Damit zu spüren ist, dass dieses Bild an einem warmen Sommertag aufgenommen wurde, habe ich mich für einen wärmeren Weißabgleich entschieden.

Look and Feel ausdrücken

Die Art, wie du den Weißabgleich machst, ist auch eine Frage des Look and Feels, das du erreichen möchtest.

Warme Farben sind aktiver und betonen Gefühle stärker, als kalte Farben. Sie lenken die Aufmerksamkeit kraftvoller auf sich. Das ist auch einer der Gründe, warum viele Fotograf:innen sehr gerne in der Golden Hour fotografieren. Die Farben sind dann bereits sehr warm und haben einen besonderen Charme.

Kühle Farben hingegen sind gedämpfter und zurückgehalten. Das ist jedoch nicht nachteilig für die Bildwirkung. Während warme Farben überwältigend sein können, wirken kühle Farben beruhigend. Die Natur besteht hauptsächlich aus kühlen Farben.

Wenn du deinen Fotografiestil noch nicht gefunden hast, frage dich:

  • welches Gefühl möchtest du im Großen und Ganzen in deiner Fotografie ausdrücken?
  • welches Look and Feel passt gut zu den Farben in deinen Bildern?

Einheitlichen Stil entwickeln

Wenn du dich für ein Look and Feel entschieden hast, kommt es auch darauf an, dass du den Weißabgleich auch konstant fortführst, damit deine Bilder wie aus einem Guss aussehen. Die Farbtemperatur und die Tönung sollten einheitlich wirken. Schaue dir auf Instagram harmonisch wirkende Feeds an und achte mal darauf, ob du einen „Gesamtfarbstich“ erkennen kannst.

Instagram Feed Planung und Gestaltung

Hier sind 3 Lightroom-Hacks, mit denen du den Weißabgleich besser angleichst und konsistent hältst:

  • die gleichen Bearbeitungen durch „Synchronisieren“ auf mehrere Fotos gleichzeitig anwenden
  • Serien als Sammlungen speichern und die Fotos in der Rasteransicht angleichen
  • mit der Vergleichsansicht im Entwicklungsmodul den Weißabgleich zweier Bilder aufeinander abstimmen

Preset anpassen

Es ist dir bestimmt schon mal passiert. Du wendest ein Preset auf ein Foto an und die Farben sehen einfach nur schrecklich aus. Einer der Hauptgründe, warum das passiert und du denkst, dass dein Preset nicht funktioniert, ist ein schlechter oder fehlender Weißabgleich.

Machmal sehen die Farben auch okay aus, aber mit einem Weißabgleich kommen sie einfach noch besser zur Geltung.

Erfahre hier mehr darüber, wie du dein Preset tweakst, um es auf deine Fotos anzupassen. Du wirst sehen, es macht einen riesigen Unterschied.


Genügt es, wenn ich den Weißabgleich in Lightroom mache?

Es kommt darauf an.

Wenn du im RAW-Format fotografierst, kannst du den Weißabgleich ohne Probleme in Lightroom machen, ohne dass die Bildqualität leidet. Ich finde es auch viel sinnvoller, da die Farben sowieso überprüft werden müssen und sie am Monitor dann in Ruhe verfeinert werden können. Der automatische Weißabgleich in der Kamera funktioniert bei mir in den meisten Fällen auch ziemlich gut, sodass ich eine Grundlage habe.

In der Produkfotografie, in der es auf präzise Farben ankommt, ist ein manueller Weißabgleich in der Kamera jedoch absolut empfehlenswert und eine echte Arbeitserleichterung.

Wenn ich größere Serien an einem Ort fotografiere, stelle ich manchmal in meiner Kamera eine bestimmte Farbtemperatur ein. Das geht mit der Einstellung „K“ oder bei dir heißt sie vielleicht „Kelvin“. Trotzdem kontrolliere ich in Lightroom immer nachträglich den Weißabgleich, um ihn gegebenenfalls noch zu verbessern und anzugleichen.


Worauf kann ich beim Fotografieren achten, um Probleme mit dem Weißabgleich in Lightroom zu vermeiden?

Damit du die Farben mithilfe eines Weißabgleiches in Lightroom bestmöglich anpassen kannst, achte beim Fotografieren auf 3 Dinge:

Im RAW-Format fotografieren

Ein RAW-Bild ist ein unbearbeitetes Bild, in dem auch die Farben noch nicht bestimmt sind. Erst durch die RAW-Konvertierung, also den Import in Lightroom, werden Farben hinzugefügt. Deshalb kannst du den Weißabgleich problemlos nachträglich machen.

Du kannst den Weißabgleich auch mit einem JPEG-Bild vornehmen. Die Ergebnisse sind jedoch nicht so gut, wie mit einer RAW-Datei. JPEG-Dateien enthalten viel weniger Daten als RAW-Dateien, so dass es kaum Spielraum für Farbkorrekturen gibt.

Künstliche Lichtquellen ausschalten

Glühbirnenlicht, das stark gelblich ist, sollest du vermeiden, da sich der Farbstich nicht ganz durch einen Weißabgleich entfernen lässt.

Kompliziert wird der Weißabgleich, wenn du mit Mischlicht fotografiert hast. Mischlicht entsteht in einer Beleuchtungssituation, in der mehr als eine Art von Licht vorhanden ist. Eine typisches Beispiel für Mischlicht hast du, wenn du in einem Raum mit weichem Tageslicht fotografierst, das durch das Fenster hineinscheint und zusätzlich eine Deckenlampe an ist, welches sehr hart und warm ist. Beide Lichtquellen haben eine unterschiedliche Farbtemperatur. Wenn sich beide mischen, ergeben sich sehr unschöne Farben und ein guter Weißabgleich wird sehr schwer.

Fotografiere am besten mit natürlichem und indirektem Sonnenlicht oder im Studio mit richtig eingestelltem Studiolicht.

Motiv immer im Blick haben

Was vor der Kamera mit deinen Motiven passiert, hat einen großen Einfluss auf die Farben in deinem Bild. Wenn du zum Beispiel jemandem in einem grünen T-Shirt fotografierst, wirst du höchstwahrscheinlich am Hals oder auch im Gesicht einen grünen Farbstich entdecken. Dieser lässt sich leider nicht durch einen Weißabgleich entfernen. Denn das Problem ist, dass das gesamte Bild eine zu starke Magentatönung bekommen würde, wenn du die grüne Tönung herausnimmst.

Der Grünstich unter dem Kinn lässt sich nicht durch einen Weißabgleich beheben

Achte daher gut darauf, wie sich dein Motiv in Bezug auf die Farben in der Umgebung farblich verändert. Entferne zum Beispiel Objekte in kräftigen Farben wie orange oder rot und und nutze lieber farbneutrale Hintergründe und Oberflächen, um dieses Problem zu vermeiden.


Wie mache ich den Weißabgleich in Lightroom?

Es gibt mehrere Wege, den Weißabgleich in Lightroom zu machen. Ich zeige dir, welche Methoden ich in Lightroom Classic anwende. Den Weißabgleich kannst du aber auch in CC und der kostenlosen Lightroom-App machen.

Weißabgleich mit der Pipette

In Lightroom Classic:
Gehe im Entwicklungs-Modul in den Grundeinstellungen auf das Symbol mit der Pipette.

Weißabgleich mit der Pipette

Bewege die Pipette zu einem neutralen Bereich deines Bildes. Wenn du den Mauszeiger über das Bild bewegst, wird ein Feld mit den RGB-Farbwerten (Rot, Grün, Blau) im unteren Bereich angezeigt. Je näher diese drei Werte beieinander liegen, desto neutraler ist der Bereich. Such nach einer Stelle, bei der die Werte fast gleich sind. Dort befindet sich dann deine neutrale Zielfarbe.

Neutralen Punkt im Bild finden

Im Navigator auf der linke Seite siehst du eine Vorschau, wie dein Bild nach dem Weißabgleich aussehen würde. Erst, wenn du auf die neutrale Zielfarbe klickst, wird der Weißabgleich gemacht.

Wenn du nicht zufrieden bist, kannst du den Vorgang natürlich wiederholen.

Wenn du in einer natürlichen Umgebung fotografiert hast, funktioniert diese Methode nicht immer ganz zufriedenstellend. Sie ist aber oft ein guter Anfang. Je neutraler die Umgebung ist, desto besser sind die Ergebnisse. Das ist zumindest meine Erfahrung.

In Lightroom CC und Mobile funktioniert die Pipetten-Methode etwas grober, da die RGB-Farbwerte nicht angezeigt werden und es keine Vorher-Nachher-Ansicht gibt.
Erfahre hier mehr über die Unterschiede der verschiedenen Lightroom-Versionen.

„Temperatur“ und „Tönung“ manuell einstellen

Bewege die beiden Regler selbst, wenn:

  • du mit dem Ergebnis durch den Abgleich mit der Pipette noch nicht zufrieden bist
  • du bereits gut beurteilen kannst, ob dein Bild nur ein wenig zu kühl oder zu warm ist
  • du Schwierigkeiten hast einen neutralen Punkt im Bild zu finden
Temperatur und Tönung manuell einstellen

Manchmal benötigt ein Bild nur ein paar kleine Tweaks, die jedoch eine große Wirkung haben.

Temperatur – ist das Bild zu warm oder zu kalt?
Wen das Bild nicht gerade einen extremen Magenta- oder Grünstich hat, passe immer als erstes die Farbtemperatur und dann die Tönung an.

Bewege den Regler langsam nach rechts, wenn das Bild zu kühl und nach links, wenn das Bild zu warm ist. Halte Ausschau nach weißen und anderen neutralen Bildbereichen und nutze sie als Referenz. Zoome in das Bild hinein, um genauer beurteilen zu können, ob die Bereiche zu warm oder zu kalt sind.

Tönung – ist das Bild zu grün oder zu magentafarben?
Die Tönung muss oft weniger angepasst werden, als die Farbtemperatur. Trotzdem wirkt eine schlecht eingestellte Tönung viel unnatürlicher, als eine falsch eingestellte Farbtemperatur. Ich erkenne sie oft erst, wenn ich den Regler in die eine oder andere Richtung verschoben habe,

Schaue dir das Bild in Ruhe an und analysiere, ob es zu grün oder magentafarben ist. Manchmal hilft es, den Wert auf Null zu stellen und sich langsam über die Zahlenwerte vor- oder zurückzutasten.

Bewege den Regler nach rechts, wenn das Bild einen Grünstich hat und nach links, wenn das Bild einen Magenta-Farbstich hat. Konzentriere dich auch hier wieder auf neutrale Bereiche im Bild und beobachte, wie sich die Farben verändern, wenn du die Einstellungen anpasst. Das gilt auch und besonders, wenn du versuchst Hauttöne zu korrigieren.

Ein abschließender Gedanke

Es sind oft Feinheiten, durch die unsere Bilder an Wirkung gewinnen. Der Weißabgleich ist eines dieser kleinen Details. Wenn du einmal gelernt hast, den für dich perfekten neutralen Punkt in deinen Bildern zu finden, wirst du es viel leichter in der Nachbearbeitung haben und staunen, wie sich deine Bilder dadurch verbessern werden. Für die Einstellungen brauchst du etwas Übung, lasse dir dabei viel Zeit. Du wirst sehen, es lohnt sich!

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